Leporello

Ein Licht anzünden
nur für Dich
der Schein strahlt durch die Herzen
der Raum leuchtet warm
Deine Augen durfte ich niemals leuchten sehen
dafür mußten sie auch nie weinen
ich weine für uns beide
Du sahst so friedlich aus
als ich Dich in meinen Armen hielt
so lange Du lebtest waren wir nie getrennt
ich hatte Dich ganz für mich allein
vielleicht vermisse ich Dich deshalb so sehr

24.11.1997

 

Foto von Ilias: Heike Qrichate

 

 

Die Trauer
Sie kommt ohne Vorwarnung
sie klopft nicht an
sie fragt nicht
sie überfällt mich wie ein Räuber
sie läßt erst locker
wenn ich mich ihr ergeben habe
hilflos treibt sie mich vor sich her
sie bestimmt das Tempo und das Ende
wann hat sie genug Tränen und Schmerz gesehen?

02.12.1997

 

 

Foto Hände von Max und Günther Demleitner

 

Ich träume von Dir
spüre Deine Füßchen
wie sie gegen meinen Bauch treten
ertaste Dein Köpfchen
und genieße alles
bis ich in die Wirklichkeit zurückgeholt werde
nichts als unendliche Leere
Leere in mir und in meinen Armen
nur mein Herz ist voll
voll von Sehnsucht
Dich in den Armen zu halten
von Deinem Geschrei geweckt zu werden
Dich lachen zu hören
doch da ist nichts
nichts als unerträgliche
Stille und Einsamkeit

29.12.1997

 

 

Ultraschallbild von Tobias: Dr. Ulf Reinhold

 

Es wird schon wieder
wieder
wieder wie was
wieder wie vorher
es wird nie wieder wie vorher
irgendwann wird es
aber nicht
wieder

07.02.1998

 

Genehmigung der Eltern fehlt noch

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alle Eltern, die ein Baby vor, während oder kurz nach der Geburt verloren haben und für diejenigen, die Eltern begleiten möchten
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rund ums Thema Frühtod und Trauer.
Texte: Pirko Silke Lehmitz

Pirko Silke Lehmitz
Tel.: 040/764119-44, Fax: -56
eMail:
pirko@stillgeboren.de
http://www.stillgeboren.de

Für andere warst Du niemals wirklich da
sie kennen Dich nicht
sie vermissen Dich nicht
keiner spricht von Dir
niemand wagt Deinen Namen zu sagen
sie werden es niemals verstehen
damit lassen sie Dich 
ein zweites Mal sterben

07.03.1998

 

 

Zeichnung: D. W.

 

 

Folgekind

Kann man es fassen 
das Glück 
intensiv 
so stark 
als wäre es unwirklich 
kaum zu glauben 
und doch 
es ist da 
es nimmt viel Platz ein 
aber es ist noch Raum 
für die Sehnsucht 
und die einsamen stillen Tränen 

 

 

Westphal: Kinderbegräbnis in Schleswig, 1843
Städtische Museum Schleswig

 

Tränende Herzen
Tränen des Herzens
sie waschen es aus
machen es rein
für die Gefühle
die wir aufheben wollen
die uns wärmen
die uns Licht geben
rein und klar

Herausgespült wird
die Wut
die Schuld
und die Angst 

die Tränen schaffen Platz
für die Dankbarkeit
für die Erinnerung
und für die Liebe

Liebe in unseren Herzen

17.02.2000

 

Scherenschnitt: Erdmute Wiarda

Still geboren

Stand 01/07/05