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Frühling
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Farben des Frühlings - Farben der Trauer
Das Herz gibt allem, was der Mensch sieht, hört und weiß, die Farbe. (J.H. Pestalozzi) Wenn der Frühling Einzug hält, liegt etwas in der Luft... Veränderung ist zu spüren, zu hören, zu
sehen und zu riechen:
Die Luft füllt sich mit Tönen,Vögel finden ihre Lieder
Das Licht verändert sich, die Tage werden länger
Die Schwere des Winters weicht, Frühling entfaltet sich
Knospen brechen auf und Farben werden sichtbar
All das nehmen Menschen in Trauer oft nicht wahr. Die Welt zeigt sich grau und schwer, farb-
und klanglos, der Frühling läßt sich nicht entdecken. Die Farben der Trauer umhüllen die Farben des Frühlings - sie legen sich auf die Seele und verhüllen jenen Ort in uns, der ein wenig ahnen
lässt, wie sich Frühling in der Trauer anfühlt.
Trauernde Menschen erzählen immer wieder von den ambivalenten Gefühlen, die der Frühling in ihnen auslöst: In der Natur
will alles keimen und wachsen, sich erneuern, lebendig werden und Farbe zeigen, während in den Herzen der Trauernden
Schmerz und Verzweiflung, Stillstand und Trostlosigkeit beheimatet sind. Die Farben des Frühlings korrespondieren nicht mit
dem inneren Fühlen der Trauernden. Was ihre Herzen lähmt und bewegt, findet ,,im Außen" keine Entsprechung.
Zu keiner anderen Jahreszeit spüren Trauernde die Ambivalenz ihrer Gefühle so stark wie ,,in den Farben des
Frühlings". Sie spüren die Ambivalenz, das Schmerzhafte auszuhalten und dem, was neu werden will, in ihnen Raum zu geben. Die Farben des Frühlings aktivieren die Farben der Trauer und kennzeichnen beide
Farbspektren überdeutlich: Das Helle und das Dunkle, das Leichte und das Schwere, das, Neue und das Alte - Anfang und Ende.
Das eine mit dem anderen zu verbinden und mit beidem in eine Balance zu kommen, ist eine kräftezehrende
Lebensleistung, ein Trauer- und Lebensprozess, der tiefen Respekt und Anerkennung verdient. In Demut und Achtung erleben die Autoren - immer wieder neu staunend - die schweren und (ver)wandelbaren Wege von
trauernden Menschen, die mit einem Herzen sehen, hören, wissen und fühlen, das mehr Farben kennt als die des Frühlings...
Aus Rituale in der Trauer - Christa Pauls, Uwe Sannek, Anja Wiese
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Der erste Frühling
Für viele Trauernde ist der erste Frühling nach dem Tod ihres Kindes eine sehr schwere Jahreszeit. Dies war für mich nicht so. Ich empfand den ersten Frühling als etwas
Positives. Als der Frühling begann, war Tobias fast 9 Monate tot. Im März war es das erste Mal, daß ich wieder an eine neue Schwangerschaft denken konnte, ohne sogleich in Tränen auszubrechen. Natürlich gab es zu
dieser Zeit immer noch ganz dunkle Tage, aber überwiegend ging es mir wieder gut und ich hatte auch wieder Hoffnung in die Zukunft. Meine Gefühle paßten zum Frühling, der für mich die Zukunft symbolisiert.
Vielleicht lag es genau daran, daß meine Trauerphasen mit den Jahreszeiten in ihrer Eigenart übereinstimmten: Ende des Sommers war Tobias gestorben. Die darauf folgenden
Woche, in der es mir noch so unwirklich gut ging, war die letzte Sommerwoche, danach schlug das Wetter in Herbst um, so wie meine Stimmung. Mir ging es wochenlang zunehmend schlechter. Den November empfand ich so
trostlos wie noch nie und zur Weihnachtszeit waren die Tiefs am schlimmsten, was sicherlich auch daran lag, daß Tobias Stichtag der 22. Dezember war und ich mir die Weihnachtszeit etwas anders vorgestellt hatte.
Danach ging es stetig bergauf, so wie auch die Tage endlich wieder länger wurden und im Frühling wurde es, so wie das Wetter, deutlich besser. Im Sommer war ich dann wieder schwanger und als der erste Geburtstag von
Tobias überstanden war, da empfand ich, daß das schlimmste hinter mir lag. Der Kreis hatte sich geschlossen. Wenn ich das so rückblickend betrachte, so verstehe ich, daß das gute alte Trauerjahr schon seine
Bedeutung hat. Denn man durchlebt in seiner Trauer alle vier Jahreszeiten.
© Pirko Silke Lehmitz, www.Stillgeboren.de, Februar 2004
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Frühling
Überall das zarte Grün des Frühlings Aufbrechende Knospen in wärmender Sonne, Tiere, erwacht aus dem Winterschlaf,
Vögel, zurück aus dem Süden. Überall Leben. Keine Schneedecke konnte es je ersticken. Frühling um mich herum, unter mir, über mir. Wann wieder in mir?
Renate Salzbrenner
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© Erdmute Wiarta |
Frühlingsgedanken?
Wär es wohl leichter, wenn der Frühling nicht so prahlte? Wär es wohl leichter, ohne Drosselruf? Wär ich wohl stärker, ohne Knospenbäume?
Wär ich wohl heller, ohne Himmelblau? Könnt ich wohl tapfer sein wenn keine Blumen blühen, und wenn die Sonne hingter den Wolken schweigt? Ich höre überall den neuen Anfang.
Die Erde ist so jung. Warum ist denn mein Gram so alt, so alt?
Sascha Wagner
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Frühling
- die Zeit des Erwachens der Natur, die Zeit der sonnigen, hellen und länger werdenden Tage, die Zeit, in der wir Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu, feiern.
Für Trauernde ist das alles oft nur schwer zu ertragen - Wachsen, Erblühen, Hoffnung - auf der einen Seite, Trauer, Schmerz, Verzweiflung - auf der anderen
Seite.
Sehr schön kommt dieses Doppelte auch in der Passionsblume zum Ausdruck. Nach einer Legende erkannte ein Missionar in ihren Blüten die Nägel und auch die
Dornenkrone Jesu - den Tod. Gleichzeitig ist sie eine wunderschöne Blume - etwas Lebendiges.
Auch Jesus hat in seinem Leben diese beiden Seiten kennengelernt. Jesus ist und bleibt einer von uns. Er geht mit uns in unserem Leid, unserer Trauer, in
unserem Schmerz, in unserer Dunkelheit, in unserem Elend. Das bedeutet Hoffnung und Zuversicht für jede und jeden von uns.
Weil Jesus mit uns geht, gehen wir auch mit ihm. Die christliche Botschaft sagt uns, dass Gott ihn nicht im Tod gelassen hat, dass Gott auch uns und unsere
Lieben nicht im Tod lässt, dass er uns alle zusammen einmal in das ganze Leben, in das Leben in Fülle führen wird.
Diese Osterhoffnung wünsche ich allen von ganzem Herzen!
Mag. theol. Christine Fleck-Bohaumilitzky 2. Vorsitzende des VEID
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Noch sind die Bäume ohne Laub der Himmel ist grau aber die Vögel zwitschern schon bald werden die Blätter der Bäume durch die Kraft der ersten
Sonnenstrahlen sprießen es wird Frühling
im Frühling hatten wir sie gepflanzt eine zarte kleine Rose
während des Sommers behütet und umsorgt damit sie im Winter aufblüht doch in einem Eisregen am Ende des Sommers ist sie erfroren die zarte kleine Knospe bleibt verschlossen
nur der Zauber unserer Liebe läßt sie in unseren Herzen aufgehen und niemals mehr verblühen
© Pirko Lehmitz, www.Stillgeboren.de, April 1998
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Nun hast du's arg genug gemacht, Sei doch nicht gar so ungeschlacht, O Frühling, der du barsch und rauh
Den Winter spielst in jeder Nacht! Ich fordre heuer nicht von Dir Die Blüten die du sonst gebracht; Erfrier mir nur die Zweige nicht, Die ich mit Fleiß hieher gebracht
Der Rosen auf der Beiden Grab, Die mir als Rosen einst gelacht. Das Veilchen ist aufgeblüht, Aber es duftet nicht, Der Merz ist zu kalt und rauh. Was fehlt dir, o krankes Gemüth?
Es fehlt dir der Freude Licht, Es fehlt dir des Himmels Thau. Das Veilchen ist aufgeblüht, Aber es duftet nicht, Der Merz ist zu kalt und rauh.
Friedrich Rückert
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Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen sich tiefer ins Herz hinein, und während Tage und Jahre verstreichen werden sie Stein.
Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre, sie scheinen zerronnen wie Schaum. Doch du spürst ihre lastende Schwere bis in den Traum. Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
die Welt wird ein Blütenmeer. Aber in meinem Herzen ist eine Stelle, da blüht nichts mehr.
Ricaida Huch
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Nach schwerem Winter Ob dir gleich in Winter während Dunkler Nacht den Sinn versehrt Schwermut, die der süßen Hoffnung
Flügelschlag und Flug verwehrt. Ob der Hall vom Schrei der Krähen Dir im Ohr noch, lang und hang, Und aus Nächten, viel durch wachten, Klagender, des Windes Klang — Ach das Herz, es
mild zu trösten, ist das Kleine groß genug: Eine gelbe Krokusblüte, Einer Wolke Frühlingszug. Albrecht Goes Unruhig ist's in der Natur, Als wie in meinem Herzen; Doch draußen
ist's der Frühling nur, In mir sind's andre Schmerzen ... O Sonne, lade mich nicht ein, Du meinest es so gut, Allein du weckest nur die Pein, Die mir im Herzen ruht
Friedrich Rückert
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Wie kann es um mich herum noch Leben geben ohne mein Kind?
Wie oft glauben wir nach dem Verlust unseres Kindes, dass sich die Knospe um und in uns nie zu öffnen scheint - verschlossen im Dunkeln fühlen wir uns – leblos und
versteinert.
Wie kann es um mich herum noch Leben geben ohne mein Kind?
Wie kann ich mich im Frühling an einer aufbrechenden Knospe in wärmender Sonne erfreuen, wo doch das eine Leben in mir, das Leben meines Kindes, nicht mehr erblüht und
diese eine Sonne nie mehr für mich scheinen wird?
Manche von und fühlen genau dieses Bild noch schmerzvoll in sich, spüren die schwere Schneedecken, die auf Körper und Seele drückt - scheinbar ohne Hoffnung auf
einen einzigen Sonnenstrahl.
Bei manchen von uns bricht die Schneedecke ganz zart an einigen Stellen schon auf. Andere von uns sind vielleicht schon weiter in ihrer Trauerverarbeitung, können sich
immer mehr an der aufbrechenden Knospe, der wärmenden Sonne und des schmelzenden Eises erfreuen, können das Leben in sich und um sich wieder spüren und vielleicht sogar genießen, können ohne Schmerzen sich der
kostbaren Blume erfreuen, sie uns unser Kind war und immer sein wird.
Doch – welchen Bild wir auch immer in uns gerade spüren: Wir sind nicht allein! Wir können durch die Gemeinschaft der Verwaisten Eltern liebevolle Zuwendung,
Verständnis, Wärme und Hoffnung erfahren. Hoffnung darauf, dass unser Schmerz und unsere Traurigkeiten nicht vergeblich sind, dass aus der Berührung unserer Tiefen auch die Freude wieder neu erlebt werden kann. Wie
eine Knospe, die sich in eine große Blüte verwandelt.
Jutta Lerche
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Knospen
Ja, es schmerzt bestimmt wenn Knospen springen. Warum sollte sonst der Frühling zaudern?
Warum unsere heiße Sehnsucht in dem bitter bleichen Froste schaudern? Hülle war die Knospe ja im Winter Was für Neues will da sprengen, zehren? Ja, es schmerzt bestimmt wenn Knospen springen
Schmerzt im Wachsen Schmerzt auch im sich Wehren. Ja es ist schwer, wenn Tropfen fallen Bebend sie in Ängsten weinend hängen An den Zweig geklammert, schwellen, gleiten
Ein Geheimnis will sie weiter drängen Schwer ist Zweifeln, Zagen und ,nicht wissen' Wenn die Tiefe zieht und ruft: verschollen Und verharren und nichts tun als zittern
Schwer ist bleiben und auch fallen wollen. Doch wenn Leiden kaum mehr ist zu tragen Alle Knospen wie im Jubel springen Doch wenn keine Angst sie mehr kann halten Tropfen flimmernd in die Tiefe dringen
Dann vergessen sie die Scheu der Reise Und vergessen Angst vor neuem Werde Fühlen einen Augenblick sich sicher Ruh'n im Zutrauen Das erschafft die Erde.
Kärin Boye, Übersetzung von Nelly Sachs
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