Kalenderblatt November

Wir denken an Euch

Die Geburts- und auch Todestage unserer Kinder sind für uns immer etwas ganz besonderes. Es tut gut, wenn man weiß, auch andere denken noch an unsere Kinder. Jede Geste, die wir erhalten, sei sie auch noch so klein, bringt Licht in unsere Herzen.

15. Kimberly & Nancy
17. Peter
17. Julius
19. Max-Jonas
21. Maria
27. 28 Theresa Anna-Maria
29. Enya
29. Jannik Andre
30. Jonas
30. Samira Lorrain
26. Till15. Kimberly & Nancy
17. Peter
17. Julius
19. Max-Jonas
21. Maria
27. 28 Theresa Anna-Maria
29. Enya
29. Jannik Andre
30. Jonas
30. Samira Lorrain
26. Till

Wenn Ihr auf die Namen klickt, kommt Ihr zu den Namensgedichten der Sternenkinder

Licht

Sterne halfen und helfen uns mit ihrem Licht einen sicheren Weg in der Dunkelheit der Nacht gehen zu können. In der Trauerbegleitung spielt das Licht ebenfalls eine bedeutende Rolle, sich zurechtzufinden, das Dunkel zu erhellen, Wärme zu schenken. Mit dem einfachen Ritual, einem Anzünden des Lichtes einer Kerze als Symbol für die Beziehung zu dem geliebten Menschen, der gestorben ist, gebe ich meiner Seele einen Ort außerhalb meiner selbst, ich schaffe eine sichtbare Verbindung, etwas dehnt sich aus, etwas strahlt aus meinem Innern heraus und mit dem Lichtstrahl zu mir zurück.

Aus Rituale in der Trauer - Christa Pauls, Uwe Sannek, Anja Wiese

"Von Marlèen für Tobias".

Schon die ganze Woche hatte ich mich darauf gefreut, daß Heidruns Schwester Regina mit Familie kommt. Auch wenn wir uns vielleicht bis jetzt fünf, sechs Mal nur gesehen hatten, hatte ich jedes Mal das Gefühl, wir kennen uns schon lange. Alle Kinder sind so lieb, von der kleinen Jenny bis Timo, Dana und Marlèen. Es ist schon faszinierend, daß Kinder instinktiv das Richtige machen. Heidrun hatte mir erzählt, daß die Kinder kommen und den Wunsch hatte, zu Tobias auf den Friedhof zu gehen. Sie fragte ganz vorsichtig, ob ich auch mitkommen wolle. Wie mir Regina später erzählte, war sie ganz erstaunt, daß ich den Mut hatte, mitzukommen. Aber es war genau das Richtige.

Wir fuhren alle zusammen in dem Wohnmobil nach Großhansdorf. Jedes Kind hatte eine Kerze dabei, die sie für Tobias anzünden wollten. Marlèen packte während der Fahrt die Kerzen aus und erklärte, daß sie gerne dort hätte aufschreiben wollen:"Von Marlèen für Tobias". Es war so schön, daß endlich jemand einmal nicht nur wagt, seinen Namen auszusprechen, sondern dies auch als das Normalste der Welt betrachtete. Ja warum ist es das denn nicht!

Als wir am Grab von Tobias ankamen, haben alle ihre Kerze angezündet und jeder hat seinen Platz dafür ausgesucht. Regina umarmte mich dann und sagte:"Mensch Pirko, du tust mir so leid, daß du deinen Tobias verloren hast!". Ein einfacher Satz, von Herzen ausgesprochen und ich spürte, sie als Mutter erahnte, was ich empfinde. Sie rief dann alle noch einmal zusammen und wir beten gemeinsam das Vaterunser. Dann sprach sie noch ein paar Worte zu meinem kleinen Tobias, und bat Gott mir Kraft zu geben, damit ich nicht mehr so traurig bin.

Mit ihrer Aufforderung, daß wir zum Abschluß gemeinsam das Vaterunser beten könnten, hättest sie mir keinen größeren Wunsch erfüllen können. Auch wenn ich das Gefühl hatte, daß mir in den letzten Wochen so vieles verloren gegangen war, wenigstens mein Glaube an Gott blieb mir erhalten.

Regina und die Kinder gaben mir damit einen der schönsten Augenblicke seit über sieben Wochen. Es tat einfach gut, daß jemand mich in meiner Trauer ernst nahm.

Sie sprach mich auch gleich an, ob ich denn Fotos von Dir hätte, und, daß sie diese gerne sehen wolle, wenn es für mich okay sei.

Als ich zu Hause Regina dafür dankte, nahm sie meine Hand und sagt, daß sie wenig für mich tun könne, aber jedenfalls dies würde sie gerne tun. Es ist kaum zu erklären, aber es gibt Menschen, die haben ein unheimliches Gespür, auf andere zuzugehen. Regina fragte ohne Hemmungen, aber ganz behutsam, wie denn alles passiert sei. Ich erzählte ihr alles, nicht nur den nüchternen Geschehensablauf, sondern auch meine Ängste, Gefühle und alles was mich seitdem bedrückt. Ich merkte sofort, wie gut mir dies tat und wie viel Kraft mir das Gespräch gab. Es sprang ein Funke über und ich hatte das Gefühl, als wäre sie meine große Schwester.

© Pirko Lehmitz, www.Stillgeboren.de Oktober 1997

© Wiltrud
http://www.trauerbilder.de.vu/

Engel des Lichts

hast Du
den Engel des Lichtes
gesehen
sanft
streift er
durch die Nächte der Welt
legt hier
seine Hand auf ein Stöhnen
blickt dort
voll Erbarmen
der Angst in die Augen
und sagt
in den Schrei der Verzweiflung
sein lichtendes Wort
hast Du
den Engel des Lichtes
gesehen
hier war er
und dort
und doch überall
er streift durch die Nächte der Welt
und gräbt
in die Finsternis tief
den Samen des ewigen Morgens
streut
Schweigen
in jegliche Not
"Engel des Lichtes
hast Du
den Engel des Lichtes
gesehen
sanft
streift er
durch die Nächte der Welt
legt hier
seine Hand auf ein Stöhnen
blickt dort
voll Erbarmen
der Angst in die Augen
und sagt
in den Schrei der Verzweiflung
sein lichtendes Wort
hast Du
den Engel des Lichtes
gesehen
hier war er
und dort
und doch überall
er streift durch die Nächte der Welt
und gräbt
in die Finsternis tief
den Samen des ewigen Morgens
streut
Schweigen
in jegliche Not
hast du
den Engel des Lichtes
gesehen
er trägt
deine Nacht
in den Händen
du
findest ihn
immer

Annette Soete

Lichterfest

Bis 6. Januar. Zweitausend Kerzen brennen im Michel. Machen ihn zu einer Lichterkirche. Dreitausend Menschen feiern ein Lichterfest am Ende der Weihnachtszeit und am Beginn der Epiphaniaszeit. In ihren Augen spiegelt sich der Schein der Kerzen, wird heller, als die singenden Kinder einziehen und mit ihren Kerzen ein Lichterkreuz in der Kirche bilden. Beim Refrain singen alle zusammen, Kinder, Väter, Großmütter. Mit offenen Gesichtern, leuchtenden Augen, m denen viel Sehnsucht nach Licht und Wärme ist. Ohren und Herzen hören: ,,Das Licht scheint in der Finsternis... Christus ist das Licht." Ganz langsam verlöschen am Schluß die tausend Kerzen am großen Weihnachtsbaum. Stille, Schweigen. Und dahinein fallen meine Worte:

,,Eine Kerze spendet Helligkeit und Wärme. Sie freut sich, daß sie fur euch brennt und sich selbst verzehrt. Sie gibt alles her zugunsten des Lichts und der Wärme. Führt ihr eigenes Ende herbei: 'Christus ist das Licht'.

So kannst du es auch tun. Bleib nicht für dich. Zieh dich nicht zurück. Dann bleibt es kalt. Gib etwas von deiner Herzlichkeit, Wärme, von deinem Lachen und von deiner Traurigkeit weiter. Nur wer sich verschenkt, wird reicher. Nur wer Licht ist fur andere, wird mehr Licht empfangen. Je mehr ihr für andere brennt, desto heller wird es in euch."

Und dann ziehen alle Kinder hinaus und singen: ,,Tragt in die Welt nun ein Licht!"

Helge Adolphsen
Der andere Advent

Licht anzünden

Eines der ersten und für mich wichtigsten Ritual war von Anfang an, das Anzünden einer Kerze. Schon nach einer Woche bin ich wieder arbeiteten gegangen. Den ganzen Tag mußte ich versuchen, alles um Tobias herum zu verdrängen, um überhaupt fit für meine Arbeit zu sein. Aber abends, wenn ich in mein Zimmer kam, mit Kai zusammen Fernsehen konnte ich einfach nicht, dann war das erste, was ich machte, eine Kerze für ihn anzuzünden. Daraus entstand dann auch mein Gedicht „Ein Licht an zünden“ (siehe rechts).

Kurz vor Weihnachten haben wir an einem Trauerseminar für Verwaiste Eltern teilgenommen, auch dort war das Ritual, wie auch in unserer Selbsthilfegruppe, daß jeder nach der Vorstellung sich einen Stern nahm und das Teelicht anzündete. Jedes
Mal, wenn wir unsere Raum dort betraten, zündetet jeder seinen Stern für  sein Kind an. Diese Ritual haben wir dann auch für zu Hause übernommen, d.h. wenn wir im Eßzimmer oder Wohnzimmer saßen, wurde der Stern angezündet. Heute brennt er nicht jeden Tag, auch nicht jede Woche, doch ab und zu nimmt ihn einer von uns und zündet ihn an, einfach so und das finde ich besonders schön.

Auf dem Trauerseminar haben wir auch eine Kerze für Tobias gestaltet, die wir immer an seinem Geburtstag anzünden. An dem Tauftag unsere beiden anderen Söhne brennen nicht nur ihre Kerzen, sondern auch eine Kerze für Tobias. So ist er an besonderen Tagen immer irgendwie bei uns. So ein Licht ist ein so ruhige, kleine und warme Erinnerung. Schön und so unaufdringlich. Für mich gibt es kein schöneres Zeichen, um an einen Menschen zu denken, als für ihn eine Kerze anzuzünden.

Ganz wichtig ist für mich auch immer, wenn wir mal am Grab sind, dort eine Kerze anzuzünden. Deshalb fahren wir auch auf jeden Fall am Heiligabend dorthin, da ich es abends tröstlich finde, wenn wir mit den anderen Kindern feiern, zu wissen, dort brennt auch jetzt eine Kerze für ihn.

Unverzichtbar ist für mich natürlich auch, daß wir am Weltgedenktag für verstorbenen Kinder, für Tobias eine Kerze anzünden. Hier überwiegt dann das Gefühl der Gemeinschaft, wir sind nicht allein.

Inzwischen nehmen aber auch unsere anderen beiden Söhne diese Ritual an, so z.B: wenn wir im Urlaub sind. Wir besuchen wo immer wir sind, Kirchen und sie haben inzwischen gelernt, daß man dort nicht durch kurze kleine Schreie die Akustik prüft, sondern sich ruhig verhält. Aber wenn sie dann sehen, daß dort irgendwo am Rand viele Kerzen stehen, sind sie immer ganz aufgeregt und kommen angelaufen: „Mama, wir wollen dort eine Kerze für Tobias anzünden!“.

© Pirko Lehmitz, www.Stillgeboren.de Oktober 2003

Ein Licht anzünden
nur für Dich
der Schein strahlt durch die Herzen
der Raum leuchtet warm
Deine Augen durfte ich niemals leuchten sehen
dafür mußten sie auch nie weinen
ich weine für uns beide
Du sahst so friedlich aus
als ich Dich in meinen Armen hielt
so lange Du lebtest waren wir nie getrennt
ich hatte Dich ganz für mich allein
vielleicht vermisse ich Dich deshalb so sehr

© Pirko Lehmitz, www.Stillgeboren.de 24.11.1997
 

THIS LITTLE LIGHT

This little light of mine
I'm gonna let it shine.
Oh, this little light of mine
I'm gonna let it shine.
This little light of mine
I'm gonna let it shine.
Let it shine
Let it shine
Let it shine

Für Monika
 
Du hast es gesehen
ganz deutlich
das Licht am Ende des Tunnels
es hat Dir den Weg durch die Nacht gezeigt
 
Aber plötzlich wurde es ausgeblasen
ein kleiner Windhauch
und es erlosch
er kam aus dem Nichts
 
Als es erlosch
hattest Du das Gefühl
Deine Zukunft
kaum geboren
starb mit ihm
 
Laß es uns wieder anzünden
meine Hände werden ihm Schutz geben
es wird wieder leuchten
Dich weiter auf Deinem Weg
durch die Finsternis begleiten
um Dich sicher ans Ziel zu führen
 
Vertraue darauf
das Licht wird Dir helfen
sie wieder zu finden
Deine Zukunft
sie war nur ganz kurz hinter einer Wolke entschwunden
 
Denn ich vertraue 
ganz fest darauf
wir werden ihn hier 
zu Ende gehen
gemeinsam
jeder seinen Weg

© Pirko Lehmitz, www.Stillgeboren.de 09.07.1998

Zeig mir das Licht,
es brennt in unseren Herzen.
Zeig mir das Licht,
so hell wie tausend Kerzen
Zeig mir das Licht,
in Dunkelheit und Kälte,
Du Regenbogen, Du Sonnenstrahl.

Als Du gingst
war nur Finsternis um mich herum
auf meinem Weg durch die Einsamkeit
dem Licht entgegen
spüre ich wieder die Sonne auf meiner Haut
sie wärmt und gibt mir Kraft
seit ich weiß
Du hast mich nicht verlassen
sondern führst mich durch mein Leben
trage ich die Sonne in meinem Herzen
freue mich über jeden Tag
und bin Dir dankbar daß Du bei mir bist
ohne Dich 
wäre mir das Leben verborgen geblieben

© Pirko Lehmitz, www.Stillgeboren.de 12.03.1998

Stand 19/02/05