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München, 12. Dezember 2002 – Fast jede zehnte Schwangere erkrankt in Deutschland an Diabetes. Die betroffenen Mütter haben ein erhöhtes Risiko für eine
Frühgeburt oder sogar Totgeburt. Jeder dritte Todesfall bei ungeborenen Kindern ist auf diese Erkrankung zurückzuführen 2. Viele Neugeborene leiden auch unter Atemproblemen oder entwickeln sich
nicht richtig. Da die Schwangeren oft keine Schmerzen oder Beschwerden haben, bleiben ca. 95% der Fälle dieser sogenannten Gestationsdiabetes unentdeckt und gefährden das Leben von Mutter und Kind. Aktuelle
Untersuchungen belegen zudem eine erschreckende Zunahme von Gestationsdiabetes von bisher 5 bis 6 Prozent auf inzwischen 7 bis 10 Prozent 3. Im Gegensatz zu den USA zählt die Bestimmung des
Blutzuckergehalts in Deutschland nicht zu den vorgeschriebenen Präventionsuntersuchungen bei Schwangeren. „Die alarmierende Zahl unerkannter Fälle von Gestationsdiabetes kann nur durch eine verstärkte
Aufklärungsarbeit bekämpft werden,“ betont Dr. Klaus König, Experte des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. (BVF) für Mutterschaftsvorsorge. „Wir raten daher jeder Schwangeren rechtzeitig einen Diabetes Test
durchführen zu lassen. Denn nur wenn diese Stoffwechselstörung frühzeitig erkannt wird, lassen sich unvorhergesehene Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt vermeiden.“ Mit einem einfachen, oralen
Testverfahren überprüft der Gynäkologe den Blutglukosewert und überweist die Patientin bei Bedarf umgehend an einen Diabetologen. Rechtzeitig erkannt, kann Gestationsdiabetes oft schon durch eine gezielte
Ernährungsumstellung in Kombination mit sportlicher Aktivität behandelt werden. In den meisten Fällen verschwindet die Diabetes dann auch nach der Geburt des Kindes wieder, Spätfolgen sind jedoch nicht
auszuschließen.
Vorsorge schützt Mutter und Kind
Eine Schwangere, die keinen Zuckerbelastungstest durchführen lässt, geht für sich und das ungeborene Kind ein hohes Risiko ein. An Gestationsdiabetes erkrankte
Frauen sind anfälliger für Infektionen und leiden daher häufig unter unangenehmen Harnwegsentzündungen. Auch Wassereinlagerungen und Bluthochdruck gehören zu den gefährlichen Folgen dieser Stoffwechselstörung.
Aufgrund eines meist hohen Geburtsgewichts des Kindes kann es zu Geburtskomplikationen kommen, oft muss ein Kaiserschnitt gemacht werden. „Wir empfehlen der Schwangeren, zwischen der 24. und 28. Woche einen
Zuckerbelastungstest durch-führen zu lassen“, erklärt Dr. Klaus König. „Denn ab der 24. Schwangerschaftswoche steigt der Insulinbedarf der werdenden Mutter stetig an. Die Bestimmung des Blutzuckers kann über
einen einfachen Suchtest in der gynäkologischen Praxis durchgeführt werden.“ Sobald ein Gestationsdiabetes festgestellt wurde, ist eine Ernährungsumstellung auf vollwertige Kost erforderlich. Häufig reicht eine
kontrollierte Ernährung in Verbindung mit regelmäßiger Bewegung aus, um die Stoffwechselstörung in den Griff zu bekommen. Nur ca. 20 bis 30 Prozent der Betroffenen brauchen eine Insulintherapie. Wenn sich der
Stoffwechsel nach der Geburt wieder normalisiert, verschwindet der Gestationsdiabetes häufig. Eine regelmäßige Kontrolle der Blutzuckerwerte ist aber dennoch ratsam, denn die betroffenen Frauen haben jetzt ein
erhöhtes Risiko zur Ausbildung des sogenannten Altersdiabetes.
Schwangerschaft kann zuckerkrank machen
Bei einer Schwangerschaft verändert sich der Stoffwechsel der Frau unter dem Einfluss der Schwangerschaftshormone. Das führt unter anderem zu einem erhöhten
Insulinverbrauch der Schwangeren. Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse produziert und sorgt dafür, dass Glukose (Traubenzucker) aus der Nahrung vom Blut in die Zellen transportiert wird. Auf diese Weise
bewirkt Insulin ein Absinken des Blutzuckerspiegels. In der Schwangerschaft hat die werdende Mutter einen hohen Bedarf an Insulin, der nicht immer über die Bauchspei-cheldrüse gedeckt werden kann. Es kommt dann
zu einem gefährlichen Anstieg des Blutzuckerspiegels, der zu einer Diabetes-Erkrankung führen kann. Etwa 40.000 Schwangere sind jährlich davon betroffen 4. Besonders gefährdet sind Frauen, die bereits ein Kind mit einem Geburtsgewicht von mehr als 4500 g geboren haben, die in einer vorherigen Schwangerschaft schon
einmal einen Gestationsdiabetes entwickelt haben, die selbst unter Übergewicht leiden oder die aus einer Diabetikerfamilie kommen. „Auch das Alter der Schwangeren und die Ernährungsgewohnheiten spielen eine
Rolle“, gibt Dr. König zu bedenken. „Frauen, die bei der Schwangerschaft bereits das 35. Lebensjahr erreicht haben oder diejenigen, bei denen Zucker im Urin festgestellt wurde, sollten auf jeden Fall einen
Diabetes-Test durchfüh-ren lassen.“
Herausgeber Berufsverband der Frauenärzte e.V., Postfach 20 03 63, 80 003 München Pressekontakt (Medical Consulting Group, Gesellschaft für
Medizinberatung mbH, Marlies Lange, Mörsenbroicher Weg 200, 40470 Düsseldorf, Tel. 0211-51 60 45-130, Fax 0211-51 60 45-29, E-Mail: marlies.lange@medical-consulting.de) ________________________________________
1) Zwischen 7% und 10% aller Schwangeren erkranken nach Untersuchungen in Schleswig-Holstein und Hessen an Gestationsdiabetes. / FRAUENARZT 42 (2001), Nr.8: im
Bundesdurchschnitt liegt die registrierte Häufigkeit von Gestationsdiabetes bei 0,47% --> ca. 95% der Gestationsdiabetes-Fälle bleiben unerkannt.
2) s.o. Frauenarzt 42 (2001), Nr.8
3) www.bvf.de/1/index1.htm
4) www.medizinfo.com
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