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Sarg, Sargausstattung und Einkleidung des Verstorbenen
Hat man sich für die Bestattungsart entschieden, so muß man einen Sarg auswählen, in Auftrag geben oder selbst bauen.
Jeder Verstorbene muß in einem Sarg bestattet werden.
Es ist also fast unumgänglich, bei einem Tischler, einem Bestatter oder einem Sarglieferanten einen Sarg zu bestellen.
Manche Menschen sorgen allerdings auch hier schon vor: Sie lassen sich ihren Sarg zu Lebzeiten anfertigen oder entwerfen und bauen ihn sogar selbst.
Generell gibt es keine festen Regeln, wie ein Sarg aussehen muß Es genügt also eine stabile Holzkiste, die groß genug ist,
um einen Menschen aufzunehmen. Allerdings können in den einzelnen Bestattungsverordnungen die Maße so festgeschrieben
sein, daß für Übergrößen höhere Bestattungsgebühren zu zahlen sind. Außerdem müssen Särge für die Erdbestattung aus
verweslichem Material, also aus Naturholz gefertigt sein. Für die Feuerbestattung sind oft auch Särge aus Zinkblech
zugelassen. Andere Materialien sind unüblich und bedürfen der Genehmigung durch den Friedhof. Särge müssen immer fest
und gut abgedichtet sein, so daß jedes Durchsickern von Feuchtigkeit oder Durchdringen von Gerüchen bis zur Bestattung verhindert wird.
Die Träger der Bestattungsanlagen können außerdem Vorschriften erlassen, nach denen Särge und Sargausstattungen auch
bestimmten ökologischen Standards entsprechen müssen. Besonders für die Feuerbestattung gibt es inzwischen mancherorts
Auflagen: Dann dürfen zum Beispiel nur solche Materialien verwendet werden, bei denen »übermäßige Rauch- und
Rußentwicklung, Geruchsbelästigungen sowie Gefahren für das Personal oder Beschädigungen der Feuerbestattungsanlage nicht zu befürchten sind (Bestattungsgesetz Baden-Württemberg, § 19; zitiert nach Gaedke, S. 372).
Wenn man sich hier nicht auf das Angebot der Bestattungsinstitute verlassen möchte, sondern eigene Vorstellungen
verwirklichen will, so sollte man sich vorher auf jeden Fall bei dem zuständigen Friedhofsamt nach solchen Vorschriften erkundigen.
Die Bestattungsunternehmen haben meist eine Reihe von Särgen auf Lager oder zeigen Kataloge vor, nach denen sie bei einer
Sargfabrik bestellt werden. Diese Fabriken halten sich an festgelegte Gütebedingungen für Vollholzsärge, für die es ein eigenes
Warenzeichen gibt. Die Auswahl bei den Bestattern reicht vom schlichten Kiefernholzsarg ohne jegliche Oberflächenbehandlung bis zum kostbaren Prunksarg aus Mahagoni oder anderen edlen Hölzern. Neuerdings haben die
Fabriken auch farbige »Designersärge« in ihr Programm aufgenommen.
Wenn man mit allen diesen Modellen nicht einverstanden ist, aber keinen neuen Sarg in Auftrag geben will, kann man auch mit
einer farbigen Bemalung das Aussehen des Sarges verändern. Bei einer Bestatterin in Berlin konnten zum Beispiel die beiden
kleinen Enkelinnen nach dem Tod der Großmutter den Sarg bemalen. Dieser - zugegebenermaßen sehr ungewöhnliche - Sarg wurde zu einem ganz persönlichen Kunstwerk mit zwei unterschiedlichen bunten Ansichtsseiten.
Zu einem Sarg gehört nach Ansicht der Bestatter weiteres Zubehör: Beim Sargbeschlag bandelt es sich um Sarggriffe mit
sogenannten Griffrosetten und um Splinte oder Schrauben zum Verschließen des Deckels. Außerdem können noch Sargfüße hinzukommen-
Auch den Sargbeschlag gibt es wiederum in den unterschiedlichsten Formen, Größen und Preisklassen. Solches - zum Teil
teures - Zubehör aus Metall wird, wie oben erwähnt, vor einer Kremation wieder vom Sarg abmontiert und zum Altmetall
gegeben, weil sonst störende Rückstände in den Öfen übrig bleiben. Manchmal wird von Bestattern im Beratungsgespräch die
besondere Stabilität eines Sarges betont. Seine Ecken sind dann noch zusätzlich verstärkt, damit der Sargdeckel den
Erddruck besonders gut aushält. Für viele ist es ein schrecklicher und fast unerträglicher Gedanke, daß der Körper ihres
Verstorbenen bald in einem Holzkasten unter der schweren Last der Erde liegt, die diesen Kasten über kurz oder lang unter
sich zusammendrücken wird. Trotzdem, genau das ist der Lauf der Dinge. Auch ein besonders stabiler Sarg kann die
Verwesung nicht aufhalten, und auch das härteste Holz ist der Vergänglichkeit unterworfen. Jeder Sarg aber, egal wie stabil er
gebaut ist, hält für eine gewisse Zeit dem Erddruck stand und bricht erst dann in sich zusammen, wenn der Körper schon lange vergangen ist. Innen muß der Sarg mit einer verrottbaren Folie abgedichtet sein.
Der Sargboden soil mit einer fünf bis zehn Zentimeter dicken Schicht aus aufsaugenden Materialien aufgefüllt sein. Diese
Schicht kann aus Sägemehl, Reißwolle, Torfmull, Rindenmulch oder Holzkohlestaub bestehen. Will man sichergehen, so sollte
man sich aber bei einer Feuerbestattung unbedingt vorher beim jeweiligen Krematorium erkundigen, welche Materialien erlaubt
sind. Viele Krematorien kontrollieren aufgrund der verschärften Abgasbestimmungen inzwischen genau, was sie verbrennen.
Aus ästhetischen Gründen wird über der saugfähigen Schicht eine Sargauskleidung angebracht. Auch dafür gibt es wieder viele
Möglichkeiten: Ein ganzer Industriezweig stellt die sogenannte Bestattungswäsche her. Das sind Laken und Deckengarnituren,
zum Beispiel Oberdecken und Kissen mit Steppung, Kurbelstickarbeiten und Raschelspitze; Bestattungskleider, also mehr
oder weniger schlichte Hemden, die Talare genannt werden, sowie Strümpfe und Socken. Auch hier gibt es wieder ein
Gütesiegel. Allerdings ist es - wie erwähnt - durchaus möglich, seinem Verstorbenen die eigenen Kleider oder ein eigenes
Nachthemd anzuziehen. Genauso gut kann man ihm natürlich das eigene Kissen unter den Kopf legen und die eigene
Bettwäsche zum Unterlegen und Zudecken verwenden, sofern alles aus natürlichen Fasern besteht. Bevor man sich auf
bestimmte Modelle festlegt, sollte man also ruhig noch einmal überlegen, welcher Sarg, welche Sargausstattung und welche
Kleidung der Persönlichkeit des Verstorbenen am ehesten entspricht. Auch hier gilt wieder: Man muß sich nicht sofort
entscheiden. Man kann Angehörige oder Freunde zur Beratung hinzuziehen. Man kann auch den Bestatter um ein zweites Gespräch bitten und sich dadurch Bedenkzeit nehmen.
Ich persönlich glaube, daß man dabei zum Beispiel durch einen besonders prunkvollen Sarg und teure Wäsche seinem
Angehörigen nach dem Tod nichts Gutes mehr tun kann. Für mich liegt das, was ich für meine Verstorbenen tun kann, nicht
mehr im Materiellen, sondern nur noch im seelischen Bereich. Alles andere kann nur für lebendige Menschen Bedeutung
haben. So gilt meiner Meinung nach die Ausstattung des Begräbnisses eigentlich nicht mehr dem Toten, sondern bezieht sich
hauptsächlich auf die Lebenden, seien es nun Hinterbliebene, Freunde oder die Nachbarschaft. Ihnen und dem Bestatter kann
ich zwar durch die Wahl besonders aufwendiger Ausstattungsstücke zu beweisen versuchen, wie groß meine Liebe war. Doch
den Verstorbenen und mich selbst täusche ich nicht: Vor ihm und dem eigenen Gefühl hat nur das \ Bestand, was aus der
Zuneigung und dem Wissen umeinander und l um die Wünsche des anderen entspringt. Deshalb kann manchmal der kleinere
Sargschmuck oder das schlichtere Laken der Persönlichkeit des Verstorbenen viel mehr entsprechen als ein üppiger Blumenschmuck oder reichverziertes Kissen, das nach außen mehr »hermacht«.
Barbara Leisner Abschied nehmen
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