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Die Geburt unseres Sternchens
Bin froh, dass ich ihn nicht einfach hergeben muss ohne ihn gesehen, gehalten und ihm meine Liebe gegeben zu haben.
16.12.2005 um 7.30 am Morgen:
Ich habe Angst, bin traurig, bin wuetend, bin aufgeregt.Ich sitze in der gynaekologischen Station des
Krankenhauses und warte darauf aufgenommen zu werden. Meine Traenen hoeren nicht auf zu fliessen. Ich will es
noch nicht wahr haben. Es muss die Geschichte einer anderen sein die sich wie ein Film vor mir abspielt. Endlich kommt mein Arzt und bringt mich in einen der Untersuchungsraeume. Ein abschliessender Ultraschall wird
gemacht. Ich traue mich nicht auf den Bildschirm zu schauen. Kann oder will mein Kind nicht noch einmal sehen wie es still und unbeweglich in meiner Gebaermutter liegt. Stattdessen sehe ich meinem Freund fest in die
Augen.
Ich hoffe auf ein Lebenszeichen doch nichts: die erloesende Nachricht will nicht kommen.
16.12.2005 spaeter am Vormittag:
Ich kann nicht mehr sagen wie spaet es ist. Ich liege inzwischen in einem Krankenzimmer und bekomme
Infusionen, die die Geburt starten sollen. Ich warte. Auf was warte ich? Auf die Wehen? auf die Geburt? Das schoenste Ereignis im Leben einer Frau? Zeit vergeht. Immer wieder schaut mein Arzt oder eine der
Krankenschwestern zu mir herein und fragen mich wie es mir geht. Was fuer eine Frage! Doch ich antworte, dass
es mir soweit gut geht. Mein Freund und meine beste Freundin sind bei mir. Sitzen an meiner Seite und warten mit mir. Sind mein Halt meine Stuetze bewahren mich davor abzustuerzen. Ich bekomme erste Wehen.
WARUM DARF ICH MEINEN SCHATZ NICHT BEHALTEN! Die Schmerzen werden staerker.
Ich versuche mich abzulenken.
Beginne zu singen und meine Freunde singen mit mir. Eine Psychologin kommt zu mir. Erzaehlt mir die
Geschichte ihres Kindes, dass auch nicht leben durfte. Ich werde ruhiger.
Ich kann ploetzlich klarer denken und meine Gefuehle und Gedanken mit der Psychologin und meinen Liebsten
teilen. Ein neues Gefuehl kommt in mir auf. Zuerst kann ich es nicht zuordnen. Es ist FREUDE. Ich freue mich darauf meinen Engel kennen zu lernen. Bin froh, dass ich ihn nicht einfach hergeben muss ohne ihn gesehen,
gehalten und ihm meine Liebe gegeben zu haben.
16.12.05 zu Mittag:
Ich werde in den Kreissaal geschoben. Es ist ein schoener Raum von dem aus man die Aussicht auf die Berge
rund herum geniessen kann. Ich fuehle mich wohl. Die PDA wird gesetzt. Die Schmerzen werden staerker und ich habe nur wenig Zeit um zwischen den Wehen aufzuatmen. Es ist heiss und
ich bitte meinen Freund das Fenster etwas zu oeffnen und mir das Gesicht abzuwischen. Ich bin durstig doch ich
darf nichts trinken, da ich nach der Geburt noch ausgeschabt werden sollte. Meine Mutter und mein Vater sind gekommen. Gott sei dank. Ich bekomme wieder Schmerzmittel doch sie wollen nicht richtig helfen.
Ich weine und wimmere wieder; dieses Mal vor Schmerzen und die Abstaende zwischen den Wehen sind so kurz, dass ich nicht weiss wann sie anfangen und wann sie aufhoeren.
16.12.2005 am Nachmittag
Ich weiss nicht wie spaet es ist. Es kommt mir vor als waeren Stunden vergangen. Die PDA scheint nicht zu
wirken. Ich will und kann nicht mehr. Ich weiss nicht warum ich die Schmerzen aushalten muss. Die Schmerzen in meiner Seele sind schon genug!! Ploetzlich werde ich nass. Meine Blase ist gesprungen.
Erleichterung. Die Aerztin kommt und prueft meinen Muttermund. Einen Zentimeter ist er geoeffnet. WAS HEISST
DAS! Sie erklaert mir, dass das Kind wahrscheinlich erst spaet in der Nacht zur Welt kommen wuerde.
Kann ich das ueberhaupt noch aushalten? Ich kann. Ich muss. Wieder werden Schmerzmittel nachgesprizt.
Endlich nach etwa 8 Minuten laesst der Schmerz nach und ich spuere nur noch ein leichtes Ziehen. Mein Kopf
wird wieder frei. Ich kann Gedanken fassen. Ich hoere die Schreie anderer Muetter. Sie schreien um ihr Kleines zu
sich zu holen. Ich koennte schreien, weil ich meinen Schatz nicht behalten darf. Ploetzlich aendert sich das
Schreien im Nebenzimmer. Ein Kind ist geboren. Es begruesst seine Welt in der es von nun an Leben wuerde. Ich beginne zu weinen. Die Traenen wollen nicht aufhoeren zu fliessen. MEIN KLEINER WUERDE NIE ZU SCHREIEN
BEGINNEN!! WUERDE NIE DIE WELT BEGRUESSEN DUERFEN!
16.12.2005 17.30:
Ich spuere etwas. Die Hebamme kommt. Ich presse. Das Kind ist da. Mein kleiner Felix ist geboren. Ich weine,
schreie fast. Kann es nicht wahr haben. Viel schneller als erwartet, heimlich und leise hat er das Licht der Welt
erblickt. Und doch kann er es nicht sehen, nicht riechen, nicht schmecken oder spueren. Als er gewaschen ist
darf ich ihn sehen. Er ist schoen, wunderschoen, das schoenste Kind der Welt obwohl er erst 30 Zentimeter lang
ist. Er ist mein Engel, mein Stern mein kleiner Schmetterling. Er ist so klein so zerbrechlich. Ich moechte ihn noch laenger sehen doch ich kann nicht. Ich muss in den OP. Ich moechte weinen aber ich kann nicht, ich
moechte schreien aber ich bringe keinen Laut hervor. Ich liege im Operationssaal und denke an die Schoenheit des Kindes, die so schnellvergehen sollte.
17.12.2005 am Vormittag:
Ich habe mein Glueckskind noch einmal im Arm und versuche ihn zu spueren, zu riechen und zu sehen um die
Erinnerung an ihn in meinem Gedaechtnis einzubrennen. Ich nehme Abschied und spuere, dass er fuer immer bei mir bleiben wird. Ich habe seinen Fussabdruck, seinen Handabdruck unddie Sterbeurkunde. Und was viel
wichtiger ist ich habe die Erinnerung an ihn. Das Wertvollste das ich je besitzen werde. MEIN SCHATZ!
Karolin Pölzl 31.12.2005 Diana30 (26.06.2003) |