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Der Trost des christlichen Glaubens von Peter Godzik
Religiöse Menschen werden in ihrer Trauer Zuflucht bei Gott suchen und ihr Kind aufgehoben
wissen bei Gott. Er ist es, der es gegeben und wieder zu sich genommen hat. Durch allen Schmerz und alle Traurigkeit hindurch kann das unbedingte Vertrauen auf seine Güte und Hilfe
einen tragenden Grund bilden. Denn: »Unsere Kinder sind nicht unsere Kinder« (Kahlil Gibran). Sie gehören einer Lebens- und Liebesgeschichte, die Gott mit ihnen vorhat.
Gott kennt und erwählt uns, noch ehe wir geboren werden: “Da ich noch nicht geboren war, da bist
du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren”.
(Evangelisches Gesangbuch 28,2). Er ruft uns ins Dasein, indem er uns Eltern anvertraut, die
durch eine bestimmte Form der Liebe gezeigt haben, daß sie eins miteinander sind und bereit, ein Kind zu empfangen.
Manchmal gibt Gott Leben auch in eine schwache, gefährdete und lieblose Beziehung. Er will
damit nicht noch mehr belasten oder gar zerstören, sondern segnen und heilen. Das heranwachsende Kind übermittelt dann jene Botschaft, wie wir sie aus der Josefsgeschichte
kennen: »Ihr gedachtet es, böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen« (1. Mose 50,20). Deshalb finde ich es so wichtig, die heranwachsende Leibesfrucht in jedem Fall als
Gabe des Herrn (Psalm 127,3) zu achten und zu schützen. Wir werden von Gott gebildet im Mutterleib (Psalm 139,13) für ein Leben in dieser Welt in der Gemeinschaft mit anderen
Menschen. Manchmal geschieht es, daß ein im Mutterleib heranwachsendes Kind nicht in dieses Leben hinein geboren wird, sondern von Gott zu sich gerufen wird in seine himmlische
Herrlichkeit. Dort lebt und wächst es weiter in einer für uns verborgenen Weise. Es dient Gott, nicht uns mit seinen Gaben.
In früheren Zeiten haben Künstler deshalb die Altäre in den Kirchen mit vielen Kindergesichtern
umgeben. In Zeiten hoher Kindersterblichkeit wollten sie damit die Eltern trösten und ihnen zeigen, daß ihre Kinder leben und eine Aufgabe haben bei Gott. Der frühe Tod eines Kindes kann
viele Gründe haben. Gründe, die wir nicht verstehen und niemals verstehen werden. Aber auch Gründe, die sich allmählich unserem Verstehen aufschließen und die wir vielleicht eines Tages annehmen können.
Es tut weh, wenn ein erwartetes Kind nicht in unsere Arme hinein geboren wird und bei uns
aufwachsen darf; wenn wir es hergeben müssen, noch ehe es geatmet hat. An seinem toten Körper können wir die Spur jenes »Hauches von Leben« entdekken, den es in dem uns
unzugänglichen Raum des Mutterleibes gehabt hat. Es ist — vielleicht auch mit Gefahr und Ängsten, wie Luther einmal vom Sterben allgemein gesagt hat — geboren worden in das Leben
vor Gott, das auch auf uns wartet, wenn wir unseren irdischen Weg vollendet haben.
Es hinterläßt mit seinem kurzen Dasein eine Botschaft, die es für uns zu entschlüsseln gilt. In
unserer Trauer geht es nicht um das, was vielleicht noch hätte sein können und was wir von diesem Kind alles erwartet haben; sondern darum zu verstehen, was Gott uns mit all dem sagen
will — ganz ähnlich wie in der Geschichte der Emmaus-Jünger, die auch traurig waren über den Tod Jesu und erst nicht verstanden haben, warum das alles geschehen mußte und was Gott
ihnen mit diesem schmerzlichen Erlebnis an heilsamer Liebe geschenkt hat (Lukas 24,13-35).
Jedes Kind wird geboren und lebt — entweder in der himmlischen Welt bei Gott, geborgen in
einem Frieden, den wir ihm nicht zu geben vermögen; oder in dieser irdischen Welt bei seinen Eltern, ihrer Obhut und Fürsorge anvertraut, den Gefährdungen und Möglichkeiten des Lebens
ausgesetzt, aufwachsend unter dem Segen Gottes, der allein gibt, daß Leben gedeihen kann: »... der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut und noch jetzund getan« (EKG 228,1).
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